Die Entwicklung der Polaroid-Kamera

Heutzutage wird der Begriff „Polaroid“ synonym für Sofortbildkameras und für die Sofortbildfotografie allgemein verwendet. Selbst im Zeitalter der Digitalkameras, hat die Sofortbildfotografie noch viele Anhänger. Viele professionelle Fotografen setzen sie nach wie vor in ihren Fotostudios ein.

Ein kurzer Abriss zur Geschichte

Bescheidene Versuche in Sachen Sofortbildkameras gab es bereits im Jahr 1860, als Jules Andre Gabriel Bourdin für die Firma Dubroni in Paris, einen Vorläufer entwickelte. Der eigentliche Durchbruch der Sofortbildfotografie gelang aber erst in den 1940er Jahren und er ist fest mit dem Namen von Edwin H. Land verbunden.

entwicklung-polaroidDieser Dr. Edwin Herbert Land (geb. am 7. Mai 1909 in Bridgeport, Connecticut; gest. 1. März 1991 in Cambridge, Massachusetts) war nicht nur ein amerikanischer Physiker und Unternehmer, sondern auch Visionär und Pragmatiker in einer Person. Im Laufe seines Lebens brachte er es auf insgesamt 524 Patente sowie zahlreichen Erfindungen. Davon bleibt aber die am 26. November 1948 vorgestellte Polaroidkamera, wohl seine spektakulärste Entwicklung. Sie war nicht nur ein äußerst innovativer Schritt in der Fototechnik, sondern sie revolutionierte zugleich auch insgesamt die allgemeine Fotografie.

Die eigentlichen Vorarbeiten dazu, begannen schon recht früh. Noch als Student erfand Edward H. Land 1932 einen Polarisationsfilter aus Kunststoff und verschrieb sich in den folgenden Jahren ganz in dessen Weiterentwicklung. Ab 1937 stellte er seine Polaroid-Produkte in der eigenen Firma her, die auch für deren Vertrieb zuständig war. Die eigentliche Initialzündung, die zur Erfindung der Sofortbildkamera führte, erfolgte allerdings erst im Jahr 1943.

Bereits ab der Markteinführung war die sogenannte Polaroid Kamera, ein Verkaufserfolg. Ab diesem Zeitpunkt konzentrierte sich Land nun voll und ganz, auf die Entwicklung und der Bedienbarkeit der Kamera. Sie sollte noch kleiner und damit zugleich auch handlicher werden und so simpel wie möglich zu bedienen sein – eine Kamera für die ganze Familie eben.

Waren die Fotos zu beginn noch in schwarzweiß, so kamen ab 1963 die ersten Polaroid Kameras auf den Markt, die einen Farbfilm, den sogenannte Polacolor, verwendeten. Dagegen blieben die Versuche, die in den 1950er und 1960er Jahren unternommen wurden, mit Hilfe unterschiedlichster Verfahren, einen Diafilm zu entwickeln, erfolglos. Mit der neuen Serie SX 70, stellte Polaroid in den 1970er Jahren eine Kamera vor, die in der Lage war, innerhalb von 10 Sekunden fünf Bilder zu belichteten und diese, in einer herausragenden Qualität, in vier Minuten zu entwickeln. Besonders im professionellen Bereich in der Modefotografie, aber auch bei der Polizei, war dieser Kameratyp besonders beliebt. Diese Kameraserie produzierte Polaroid bis 2006.

Allerdings ging der Wandel in der Fototechnik auch an Polaroid nicht spurlos vorbei. Das Ende einer Ära erfolgte im Jahr 2008, als die Firma in die Insolvenz gehen musste. Ein Ende, das Edward H. Land nicht mehr miterleben musste. Er hatte sich bereits 1980 aus der Unternehmensführung zurückgezogen. 1991 verstarb er in Cambridge, USA.

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Die Technik

Zur Technik der sofortigen Entwicklung des Films einer Polaroid Kamera, wird diese, anstatt mit einem Film, mit einem Stapel von Papierblätter geladen. Deren lichtempfindliche Schicht entspricht denen eines Negativfilmes. Bei den ersten Kameramodellen hingegen, war noch eine Doppelrolle von Negativ- und Positivblätter von Nöten. In dem Material der Papierblätter sind alle notwendigen Chemikalien, in Form einer Paste, enthalten, die zur Fotoentwicklung benötigt werden. Während des herausziehens der Papierblätter, werden die Chemikalien auf den positiven und negativen Flächen verteilt. Die Silberteilchen bei schwarzweiß Fotos, beziehungsweise die Farbstoffe bei den Colorfilmen, werden im positiven Teil eingelagert und während der filmtypischen Entwicklungszeit, vom negativen Teil getrennt. Da bei diesem Verfahren kein weiter verwendbares Negativ entsteht, ist eine Duplizierung der Aufnahme nur mit Hilfe einer Reproduktion möglich. Damit wird jedes Foto quasi zu einem Unikat.

Der Neubeginn

Da Polaroid für die traditionelle Sofortbildkamera kein weiteres zukünftiges Entwicklungspotenzial sah, wurde 2008 die Produktion eingestellt und unter anderem die Produktionsstätten in Mexiko und in den Niederlanden geschlossen. Diese pessimistische Einschätzung der Amerikaner teilte hingegen der Österreicher Florian Kaps nicht, da auch im 21. Jahrhundert der Zuspruch der Fangemeinde nach wie vor ungebrochen groß ist. Zusammen mit einigen ehemaligen leitenden Angestellten von Polaroid, gründete er im Jahr 2008, am alten Produktionsstandort im niederländischen Enschede, eine neue Firma. Da trotz allem eine Portion von Restrisiko für den Neustart blieb, erhielt das neue Unternehmen den Namen „Impossible Project“.

Inzwischen produziert Impossible Filme (Impossible PX) für die Polaroid Kameratypen SX 70, 600 und Image sowie schwarzweiß Filme im 18 x 24 cm Format für den professionellen Bereich.